Inklusive Führung: Wie Führungskräfte Inklusion vorleben können

Illustration eines Bewerbungsgespäches zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer mit Behinderung

In einer immer diverseren Unternehmenswelt rückt das Zusammenspiel von Führung und Diversity in den Fokus. Führungskräfte nehmen hierbei eine Vorbildfunktion ein. Ihr Verhalten prägt maßgeblich, ob Inklusion im Arbeitsalltag tatsächlich gelebt wird. Studien zeigen, dass vielfältige und inklusive Unternehmen messbar erfolgreicher sind, denn sie haben beispielsweise eine 70 % höhere Wahrscheinlichkeit, neue Märkte zu erschließen. Dennoch bleiben viele Diversitätsinitiativen hinter den Erwartungen zurück, weil oft der entscheidende Faktor von Inclusive Leadership fehlt. Weltweit gelten nur rund 5 % der Führungskräfte als wirklich inklusiv. Dieser Artikel richtet sich demnach an Führungskräfte und zeigt, wie ein inklusives Führungsverhalten aussieht, wie man eine inklusive Unternehmenskultur fördert, welche Vorteile inclusive Leadership bringt und wie man sein Team für Vielfalt sensibilisiert.

Was macht einen inklusiven Führungsstil aus?

Ein inklusiver Führungsstil, oft als Inclusive Leadership bezeichnet, basiert auf bestimmten Kernmerkmalen und Verhaltensweisen. Inklusive Führungskräfte zeichnen sich dadurch aus, dass sie Bewusstsein für eigene Vorurteile mitbringen. Jeder Mensch hat unbewusste Bias; inklusiv handelnde Führungskräfte sind sich dieser Voreingenommenheiten bewusst und arbeiten aktiv daran, deren negative Effekte zu reduzieren. Dieses Reflektieren von Bias geht Hand in Hand mit Mut, den Status quo zu hinterfragen und auch unbequeme Themen (z. B. Diskriminierung im Team) anzusprechen.

Ein weiteres zentrales Merkmal ist Empathie. Inklusive Leader nehmen die Perspektiven ihrer Mitarbeitenden ein und zeigen echtes Mitgefühl für unterschiedliche Erfahrungen. Sie bemühen sich, jede Stimme im Team zu hören und wertzuschätzen und schaffen so Vertrauen. Damit verbunden ist Bescheidenheit und Offenheit für Feedback. Inklusive Führungskräfte wissen, dass sie nicht alle Antworten haben, und sind offen dafür, von anderen, unabhängig ihrer Rolle, zu lernen. Sie fördern eine Kultur, in der Kritik und Feedback willkommen sind, indem sie selbst Fehler eingestehen und aktiv um Rückmeldungen bitten.

Zudem übernehmen inklusive Führungskräfte die Förderung aller Teammitglieder. Das bedeutet konkret, dass sie Mitarbeiter*innen mit verschiedenen Hintergründen unterstützen und entwickeln. Zum Beispiel investieren sie Zeit ins Mentoring unterschiedlicher Talente und schaffen gezielt Chancen für bisher unterrepräsentierte Gruppen. Solche Führungskräfte initiieren etwa Mentoring-Programme oder Netzwerke, um alle Mitarbeitenden voranzubringen. Dadurch demonstrieren sie, dass jeder im Team wichtig ist und Aufstiegschancen hat.

Schließlich ist ein inklusiver Führungsstil geprägt von Offenheit in der Kommunikation. Inklusive Leader fördern ein Klima psychologischer Sicherheit, in dem sich alle trauen, ihre Ideen und Bedenken ohne Angst vor Konsequenzen zu äußern. Sie hören aktiv zu, holen aktiv vielfältige Meinungen ein und beziehen diese in Entscheidungen ein. Diese Offenheit für vielfältige Perspektiven, in Kombination mit Empathie, Vorurteilsbewusstsein und dem Willen zu lernen, macht einen Führungsstil wirklich inklusiv.

Wie können Führungskräfte eine inklusive Kultur fördern?

Um die Unternehmenskultur inklusiv zu gestalten, reicht es nicht, wenn Diversität lediglich vorhanden ist. Führungskräfte müssen Inklusion aktiv vorleben und verankern. Ein erster Schritt ist, Inklusion klar in den Unternehmenswerten und Leitlinien zu verankern. Sie sollten sich in ihrem Leitbild ausdrücklich zu Inklusion bekennen und Menschen jeder Art willkommen heißen. Wenn Inklusion Teil der Mission und Werte wird, gibt dies allen Mitarbeitenden Orientierung.

Wichtig ist zudem, im Arbeitsalltag konkret eine inklusive Teamkultur zu etablieren. Führungskräfte können Diversität auf Teamebene fördern, indem sie beispielsweise folgende Maßnahmen ergreifen: Eine offene Kommunikationskultur etablieren, die den Austausch und das voneinander Lernen fördert, und ein psychologisch sicheres Umfeld schaffen, in dem alle Meinungen respektiert und gehört werden. Praktisch bedeutet das, aktiv Räume für Dialog zu bieten, beispielsweise in regelmäßigen Teamrunden, in denen unterschiedliche Sichtweisen ausdrücklich gefragt sind. Unterschiedliche Perspektiven sollten bewusst in Entscheidungsprozesse einfließen dürfen. So merken Mitarbeitende, dass Vielfalt wirklich erwünscht ist und Einfluss hat.

Darüber hinaus empfiehlt es sich, strukturelle Barrieren abzubauen. Führungskräfte können beispielsweise Arbeitsabläufe flexibler gestalten (Stichwort Home Office) und auf individuelle Bedürfnisse eingehen, sodass alle optimal beitragen können. Auch das Feiern von Vielfalt gehört dazu, etwa durch Teamevents, bei denen verschiedene kulturelle Hintergründe gewürdigt werden. Solche Gesten stärken das Zugehörigkeitsgefühl im Team.

Nicht zuletzt sollten Führungskräfte Inklusion durch ihr eigenes Verhalten vorleben. Das bedeutet, respektvoll und vorurteilsfrei mit gutem Beispiel voranzugehen (z. B. durch bewusste Verwendung inklusiver, gendergerechter Sprache). Wenn Mitarbeitende sehen, dass die Führungsetage Diversity ernst nimmt, wird sich das auf die gesamte Kultur übertragen.

TIPP TO GO

Schulungen und Workshops sind effektive Werkzeuge, um eine inklusive Kultur aufzubauen. Sie sensibilisieren alle Beteiligten für unbewusste Vorurteile und vermitteln Wissen zum Umgang mit Vielfalt. Führungskräfte sollten ihren Teams solche Trainings ermöglichen und auch selbst daran teilnehmen. Durch Unconscious Bias Trainings kann man im Team Vorurteile abbauen und inklusiver zusammenarbeiten. Wichtig dabei ist, dass die Chefs persönlich das Gelernte umsetzen und konsequent . So wird aus Theorie gelebte Praxis.

Welche Vorteile hat inklusives Leadership?

Inklusives Leadership ist kein „nice-to-have“, sondern ein „must-have“, da es zahlreiche handfeste Vorteile für Unternehmen, Teams und die Führungskräfte selbst bringt. Zu den wichtigsten positiven Effekten gehören:

  • Höhere finanzielle Performance
    Unternehmen mit diversen Führungsteams haben über 60 % höhere Chancen, überdurchschnittlich profitabel zu sein. Vielfalt und Inklusion zahlen sich also wirtschaftlich aus.

     

  • Mehr Innovation
    Laut Deloitte erreichen inklusive Teams ihre finanziellen Ziele doppelt so häufig und sind sechsmal so oft innovativ wie weniger inklusive Teams. Unterschiedliche Ideen führen zu mehr Kreativität und neuen Lösungen.

     

  • Bessere Entscheidungen
    Vielfältig aufgestellte Teams treffen nachweislich bis zu 87 % bessere Entscheidungen im Vergleich zu homogenen Teams. Durch die Einbeziehung verschiedener Perspektiven werden Entscheidungen fundierter und Fehlerquoten gesenkt.

     

  • Engagierte Mitarbeiter
    Inklusionsfördernde Führung steigert Motivation und Engagement. Fühlen sich Mitarbeiter*innen geschätzt, respektiert und gehört, sind sie deutlich eher bereit, vollen Einsatz zu bringen. Das wirkt sich positiv auf Produktivität und Zusammenarbeit aus. Zudem führen inklusionsstarke Teams zu weniger Fehlzeiten. Schon eine 10 % höhere Inklusion senkt nach einer Studie die Abwesenheit um einen Tag pro Mitarbeiterin im Jahr.

     

  • Stärkeres Employer Branding
    Eine inklusive Unternehmenskultur verbessert den Ruf der Organisation. Firmen, die Inklusion glaubwürdig leben, ziehen ein breiteres Spektrum an Talenten, Kundschaft und Partnern an und steigern ihre Wettbewerbsfähigkeit. In Zeiten von Fachkräftemangel achten vor allem jüngere Generationen stark auf Diversity & Inclusion.

Diese Vorteile motivieren dazu, inklusives Leadership voranzutreiben. Gerade in unsicheren Zeiten zahlt es sich aus, auf vielfältige Perspektiven zu setzen. Entscheidungen werden robuster und Teams leistungsfähiger. Eine McKinsey-Analyse betont, dass Investitionen in diverse Teams und eine inklusive Kultur sich mehr denn je lohnen. Wer dies vernachlässigt, riskiert den Anschluss zu verlieren. In Summe schafft inklusives Leadership also nicht nur ein gerechteres Arbeitsumfeld, sondern messbar besseren Geschäftserfolg.

Wie sensibilisiere ich als Chef mein Team für Diversität?

Die Sensibilisierung des Teams für Diversität erfordert vor allem Bewusstseinsbildung und offene Kommunikation. Als Führungskraft können Sie einige konkrete Schritte unternehmen, um Ihr Team für das Thema Vielfalt zu öffnen:

  • Wissen vermitteln
    Organisieren Sie regelmäßige Workshops und Schulungen zu Diversity und Inklusion. Dadurch lernen Mitarbeitende, unbewusste Vorurteile zu erkennen und abzubauen. Wichtig ist, dass Sie als Chef*in diese Trainings mittragen und aktiv unterstützen. Führungskräfte müssen das Thema vorleben und aktiv umsetzen, denn nur so nimmt das Team die Botschaft ernst.

     

  • Offene Dialoge fördern
    Schaffen Sie Gelegenheiten, in denen Diversity thematisiert wird. Das kann in Teammeetings oder speziellen Austausch-Runden geschehen. Ermutigen Sie Ihr Team, offen über Erfahrungen, kulturelle Hintergründe oder eventuelle Hindernisse zu sprechen. Hören Sie dabei aktiv zu und zeigen Sie Wertschätzung für jeden Beitrag. So entwickeln die Mitarbeiter*innen ein Verständnis füreinander und bauen Vorbehalte ab.

     

  • Inklusive Sprache und Verhalten
    Achten Sie im Alltag auf inklusive Kommunikation. Kleine Veränderungen wie das Nutzen gendergerechter Sprache oder das Vermeiden von Stereotypen senden ein starkes Signal. Wenn Führungskräfte respektvoll über alle Gruppen sprechen, schärft das das Bewusstsein des Teams. Ebenso sollten Sie diverse Feiertage oder kulturelle Besonderheiten Ihrer Teammitglieder anerkennen (z. B. durch Glückwünsche oder flexible Feiertagsregelungen). Das vermittelt, dass Vielfalt willkommen ist.

     

  • Feedback und kontinuierliche Verbesserung
    Fragen Sie Ihr Team regelmäßig, wo es Verbesserungsbedarf in puncto Inklusion gibt. Vielleicht fühlen sich manche Kolleg*innen noch nicht vollständig eingebunden. Nehmen Sie Feedback ernst und passen Sie Prozesse an (z. B. bei der Aufgabenverteilung oder Meeting-Gestaltung). Die gemeinsame Reflexion über Diversity im Team schärft bei allen die Sensibilität.

     

Wichtig ist Geduld und Dranbleiben, denn Diversity Awareness entsteht nicht über Nacht, sondern wächst durch stetige Impulse. Feiern Sie Zwischenerfolge, beispielsweise wenn nach einem Jahr alle im Team problemlos inklusive Gewohnheiten verinnerlicht haben.

GENAUER HINGESCHAUT

Und hier für alle Expert:inenn noch ein Denkanstoß. Der TEDx-Talk “How to become an inclusive leader” von Dr. Meagan Pollock, der praktische Wege aufzeigt, wie Führungskräfte Zugehörigkeit und Wertschätzung im Team fördern können. Solche Ressourcen helfen, Ihr Team für die Bedeutung von Vielfalt zu sensibilisieren und motivieren alle, an einer inklusiven Arbeitskultur mitzuwirken.